12/2026 7
VISIER
Hohe ökologische Vielfalt
Der jährlich stattfindende Anlass des Aar-
gauer Departements für Bau, Verkehr und
Umwelt widmete sich dieses Jahr dem
Thema «Innenentwicklung und Biodiver-
sität». Verschiedene Experten zeigten am
Vernetzungsanlass Natur 2030 in Aarau
auf, wie mehr multifunktional genutzte
Flächen geschaffen werden können, wel-
che Spielräume in der Umsetzung von
Normen vorhanden sind und welche
Synergiepotenziale es zwischen Verdich-
tung, Biodiversität, Aufenthaltsqualität
und Klimaanpassung gibt.
Dass sich eine hohe bauliche Dichte,
Natur, Freizeitnutzung und Gartenkultur
nicht ausschliessen, zeigte eine Begehung
des Telli-Quartiers im Nordosten von Aa-
rau an der Auenlandschaft der Aare. Die
Telli ist eine der grössten Überbauungen
der Schweiz. Gebäude und Freiräume bil-
den ein schutzwürdiges Ensemble. Die
vier verschieden langen Wohnzeilen mit
zwischen sechs bis 19 Geschossen fassen
1258 Wohnungen. In ihnen leben derzeit
rund zehn Prozent der Aarauer Bevölke-
rung. Gebaut wurden die Blöcke zwischen
1971 und 1980. Zwei Trakte wurden vor
rund drei Jahren energetisch saniert. Im
Zuge dieser Sanierung wurde der gross-
zügige Tellipark wiederhergestellt, denn
er hatte unter den Bauarbeiten gelitten.
Den Landschaftsarchitekten Albert Zu-
lauf und Partner gelang es bei der Ge-
staltung in den 70er-Jahren den grossen
zusammenhängenden Freiraum der Sied-
lung in die nahe Auenlandschaft der Aare
übergehen zu lassen. Dank dieser weit-
läufigen Parklandschaft und dem Nah-
erholungsgebiet ist die Wohnqualität in
der riesigen Siedlung hoch.
Der Wiederherstellung des weitläufigen
Parks nahmen sich zwischen 2016 und
2023 Müller Illien Landschaftsarchitek-
ten an. Das Grünplanungsbüro hat den
Park nach dem ursprünglichen Konzept
wiederhergestellt und nach dem heuti-
gen Wissensstand optimiert. Die Arbeit
am Tellipark war ungewöhnlich, denn es
handelte sich um eine Wiederherstellung
des Werks von Zulauf und Partner nach
gartendenkmalpflegerischen Prinzipien.
Ein bedeutendes Kapitel der Anla-
ge sind die zahlreichen einheimischen
Bäume. Besonders die Schattenplätze der
grosskronigen Exemplare waren nicht
wegzudenken. Viele der wertvollen alten
Bäume mussten wegen der Sanierung der
Tiefgarage gefällt werden. Bei der Neube-
pflanzung wurde auf eine möglichst hohe
Artenvielfalt geachtet. Die Parklandschaft
zählt nach der Sanierung rund 100 Bäu-
me mehr als vorher.
Viel Zeit wurde zudem in die Modellie-
rung der Hügel investiert. Die Topografie
ist ein wichtiges Gestaltungselement des
ursprünglichen Konzepts und damit auch
bei der Umgestaltung. Und während frü-
her die gesamte Grünfläche aus Rasen be-
stand, kommt dieser heute nur noch auf
der zentralen Spielwiese vor. Wo immer
möglich wurde mittels Blumenwiesen,
Stauden und Gehölzen für eine möglichst
hohe Biodiversität gesorgt.
Sarah C. Sidler
Damit sich die über 2000 Bewohner der Telli nach wie vor mit dem Quartier identifizieren
können, wurden sie in den Planungsprozess zur Parksanierung miteinbezogen.
Foto: Sarah C. Sidler
(ljo) Auch dieses Jahr organisiert
die Stadt Biel wieder eine Sträucher-
tausch-Aktion. Einwohnerinnen und
Einwohner erhalten dabei die Möglich-
keit, exotische oder invasive Sträucher
gratis gegen einheimische Arten auszu-
tauschen. Einheimische Sträucher bie-
ten zahlreichen Insekten und Vögeln
Nahrung und Lebensraum und fördern
so die Biodiversität direkt vor der Haus-
tür. Weil invasive Neophyten weder in
der Natur entsorgt noch kompostiert
werden dürfen, ist bei der Stadt ein
kostenloser «Neophytensack» erhält-
lich. Dieses Jahr ersetzt die Stadtgärt-
nerei zusätzlich für jede eingetauschte
Pflanze einen invasiven Strauch auf
öffentlichen Flächen.
Sträucher-Tausch
Wie Biel Vielfalt fördert
Artenreiche Wiesen
Methode ist entscheidend
(ur) Eine Wiese allein extensiv zu
bewirtschaften, reicht nicht aus, um
ihre Artenvielfalt zu erhöhen. Dies
zeigt eine Studie der Universität Bern.
Durch jahrzehntelange intensive Nut-
zung für Milchwirtschaft und Ackerbau
ist die Samenbank im Boden verarmt
und Quellpopulationen in der Nähe
fehlen zumeist. «Artenarme Wiesen
erfordern daher aktive Wiederher-
stellungsmassnahmen, die über eine
einfache Extensivierung hinausgehen»,
hält der Informationsdienst Biodiversi-
tät dazu fest.
Den Nachweis erbrachte eine Unter-
suchung von 60 Wiesen in über zwölf
Regionen der Schweiz mit verschiede-
nen Bearbeitungsmethoden. Die Bo-
denbearbeitung erfolgte dabei entweder
oberflächlich mit einer Kreiselegge oder
tiefer durch Pflügen. Diese beiden Me-
thoden wurden mit den drei Aussaat-
techniken kombiniert: Ausbringen von
Heu aus einer artenreichen Spender-
wiese, Aussaat einer Samenmischung,
die mit einer Erntemaschine aus einer
Spenderwiese gewonnen wurde, oder
Aussaat einer kommerziellen Samenmi-
schung, die durch Anbau vermehrt wur-
de. Im Vergleich zu artenarmen Wiesen
erhöhte sich die Artenvielfalt auf den
Testflächen um durchschnittlich fast
30 Prozent. Mit Heu von einer Spender-
wiese aus derselben Region wurden die
besten Resultate erreicht.
Dank dieser Massnahmen erreichten
90 Prozent der renaturierten Wiesen
die Qualitätsstufe Q2 der Biodiversi-
tätsförderflächen. Für eine Wiese dieser
Qualität erhalten die Landwirte im Ver-
gleich zu Q1 höhere finanzielle Beiträge.
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