12/2026 35 und enthält wertvolle Nährstoffe und Spu- renelemente für die Pflanzen. Wem diese zwei dunklen Schichten zu simpel erschei- nen, darf dazwischen farbige Akzente legen. Ganz schlicht in gedeckten Tönen, aber auch grell und bunt, je nach Vorliebe und Geschmack. Dafür steht eine ganze Kis- te von Gläsern mit bunten Kristallen be- reit. Zum Abschluss werden kleine Gelän- destrukturen wie Wellen oder Hügelchen eingebaut und auf die Oberfläche können zudem noch Kiesel oder andere bunte Steine gestreut werden. Ganz sicher ist: Schon jetzt unterscheidet sich jedes Pflanzgefäss vom anderen, obwohl die Pflanzen selbst noch komplett fehlen. Baumstämme und Felsen in Miniatur Die zuvor getroffene Pflanzenauswahl kann nun eingesetzt werden. Die Höhe und der Umfang des Pflanzgefässes entscheiden letzt- endlich über Anzahl und Grösse der Pflanzen. Sie werden in den kommenden Monaten ge- deihen und grösser werden. Doch zunächst bedeutet der Umzug ins Glas Stress für den eingesetzten Spargelfarn, andere Farnarten, Zwergpalmen, Silbernetzblatt, Efeu- oder Kaffeepflänzchen. Sie wechseln nicht nur den Standort, sondern auch die Lichtverhält- nisse, und die Luftfeuchtigkeit ist im Glas fast doppelt so hoch wie im Raum. Wie bereits bei der Gestaltung des Subst- rataufbaus können dabei Akzente mit Pflan- zen mit farbigen Blättern gesetzt werden, unter anderem Fittonien oder Erdsterne, die im Laufe des Jahres die Farbe ändern. Effekt- voll lassen sich auch mitten in den Mini- Pflanzungen Rindenstücke, Äste oder Steine platzieren, die wie abgestorbene Baumstäm- me oder Felsen im «Bonsai-Ambiente» wir- ken. Auf ihnen können zusätzlich Moose und Tillandsien wachsen. Letztere haben keine Wurzeln und werden einfach auf- gesteckt oder angeklebt. Sie haften an Holz oder Rinde und nehmen so Wasser und Nährstoffe auf. Auch simples Gras macht sich gut, muss allerdings regelmässig zu- rückgeschnitten werden, da es sich erfah- rungsgemäss gut entwickelt. Jeder arbeitet für sich, doch schon nach kurzer Zeit beraten sich die Micro-Gärt- ner gegenseitig, man gibt sich Tipps zu Ge- staltung, tauscht Pflanzen und probiert ge- meinsam. Die besten Ratschläge kommen natürlich vom Fachmann. Marcus Martin erkennt sofort, wie die Gestaltung optimiert werden kann, und hilft auch beim fachge- rechten Einsetzen nach. Wer möchte, kann nach der Fertigstellung Schmuckelemente wie kleine Figuren oder Objekte im Glas ergänzen, um dem Ganzen eine persönliche Note zu verleihen. Absolut pflegeleicht Nun wird kräftig gegossen, das Substrat muss gut durchfeuchtet sein. Ganz wich- tig: entkalktes Trinkwasser, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Regenwasser oder des- tilliertes Wasser verwenden, um Kalkabla- gerungen und eine Erhöhung des pH-Werts des Bodens zu vermeiden, denn die meisten unserer Pflanzen bevorzugen einen leicht sauren Boden. An der Farbe des Substrats, am trockenen Moos oder an den Glaswänden, die nicht mehr beschlagen, ist zu erkennen, wann wieder eine Wassergabe nötig ist. Dies ist mit einigen Stössen aus einer handelsüblichen Sprühflasche bereits erledigt. Wie oft das geschehen muss, hängt von den gewählten Pflanzen, dem Substrat, Standort oder der Grösse des Glases beziehungsweise dessen Verschluss ab. Denn obwohl es sich um ei- nen geschlossenen Wasserkreislauf inner- halb des Gefässes handelt, ist dieser nicht absolut dicht. Es kann sein, dass über Mona- te oder sogar Jahre kein zusätzliches Wasser notwendig wird. Erfahrungsgemäss ist eine Wassergabe alle zwei bis drei Monate nötig. Pflanzen brauchen Licht zum Leben. Das Glas sollte an einem hellen Standort, aber nicht direkt in der Sonne stehen. Ideal sind zwei bis drei Meter Entfernung vom Fenster. Die Einstrahlung würde den Innenraum zu Oben: Die Auswahl an Pflanzen, die in die Gläser eingesetzt werden können, ist sehr gross. Zudem hält Marcus Martin diverse Steine, Rindenstücke oder Äste bereit, die eine individuelle Gestaltung des Micro Gardens ermöglichen. Auf ein Holzstück kann beispielsweise eine Tillandsia gesetzt werden. Rechts: Nach der Fertigstellung muss kräftig gegossen werden, damit sich das Substrat vollsaugen kann. Wasser darf im Glas aber nicht stehen.
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