12/2026 11
ke der Schweiz, zwischen unterschiedlichen 
Interessen zu vermitteln.» Er nennt drei 
gute Beispiele für den Ausgleich von Schutz 
und Nutzen respektive von Biodiversität und 
anderen Zweckbestimmungen:
	
– Der Bau des Kraftwerks Nant de Drance 
sollte als übergeordnetes Ziel dazu bei-
tragen, die Stromversorgung der Schweiz 
insbesondere im Winter abzusichern. 
Gleichzeitig musste der Bau so ausgeführt 
werden, dass er mit dem Naturschutz ver-
einbar war. Im Aushandlungsprozess mit 
den Umweltverbänden, die frühzeitig ein-
bezogen wurden, beschloss man 15 öko-
logische Ersatzmassnahmen, um Eingriffe 
durch den Bau und den Betrieb des Pump-
wasserkraftwerks auszugleichen. Unter 
anderem wurden bestehende regionale 
Biotope qualitativ aufgewertet und neue 
geschaffen, um das alpine Ökosystem der 
Region zu unterstützen. 
	
– Beim Projekt «BelpmoosSolar» auf dem 
Areal des Berner Flugplatzes sind die 
Energiegewinnung, der Schutz einer Tro-
ckenwiese und der Flugbetrieb erfolgreich 
austariert worden. Die ursprünglich flä-
chendeckenden Solaranlagen konnten in 
den Verhandlungen mit dem Energieun-
ternehmen, den Umweltverbänden, dem 
Flugplatzbetreiber und den Behörden re-
dimensioniert und auf weniger wertvolle 
Bereiche eingegrenzt werden. Die defi-
nierte Trockenwiese «Belpmoos» wurde 
im Oktober 2025 in das «Bundesinventar 
der Trockenwiesen und -weiden von na-
tionaler Bedeutung» aufgenommen und 
damit unter Schutz gestellt. 
	
– Die Einhausung Schwamendingen über-
brückt seit Neuem die Zweiteilung des 
Zürcher Quartiers Schwamendingen 
durch die Autobahn A1. Gleichzeitig 
profitieren deren Bewohner von weniger 
Lärm und neuen Grünräumen. Bezahlt 
wurde die Überbauung aus dem Natio-
nalstrassenfonds.
Aushandeln mit Respekt und Geduld
«Zielkonflikte betreffen oft mehrere Politik-
bereiche von der Energie über die Mobilität 
bis zur Biodiversität», sagt Carlo Scapozza, 
der Vizedirektor des Bafu. «Um Probleme 
zu lösen, kann ich nicht nur zu meinem 
Gärtchen schauen.» Für eine aussichtsrei-
che Zusammenarbeit ist nach Ansicht von 
Scapozza, der im Bafu den Direktionsbe-
reich Biologische Vielfalt leitet, ein integra-
ler Ansatz entscheidend, der auf vernetztem 
Denken aufbaut. «Als übergeordnetes Ziel 
soll angestrebt werden, einen Mehrwert für 
Natur und Landschaft, Umwelt und Ge-
sellschaft sowie Wirtschaft und Regionen 
zu generieren», wünscht er sich für das 
Aushandeln eines Projekts. Beispiele einer 
solchen Zusammenarbeit sind für ihn der 
Hochwasserschutz kombiniert mit ökolo-
gischer Aufwertung, Landwirtschaft mit 
gleichzeitiger Förderung der Biodiversität, 
Energieproduktion unter Berücksichtigung 
der Landschaftsqualität und Siedlungsinfra-
struktur mit naturnaher Flächengestaltung. 
«Oft sind Synergien vorhanden, doch sie 
werden nicht genutzt», führt der Bafu-Vize-
direktor weiter aus. Denn gelingen kann ein 
solches produktives Zusammenwirken von 
Kräften nur, wenn alle Beteiligten den per-
sönlichen Blickwinkel und die Vertretung 
der eigenen Institution nicht für absolut 
nehmen. «Nebst den gemeinsamen Zielen 
braucht es dazu gegenseitiges Vertrauen und 
die Bereitschaft, zu verhandeln.» Rechtha-
berei und Abschottung hingegen sind für 
Scapozza der falsche Ansatz, wenn Nach-
haltigkeit erreicht werden soll: «Zusammen-
arbeiten bedeutet koordinieren und sich auf 
längere Prozesse mit einer abgestimmten 
Kommunikation einlassen. Sie ist ein Ma-
rathon, kein Sprint.»
Das Bafu will verstärkt finanziell und ge-
setzlich die Rahmenbedingungen schaffen, 
dass Projekte so abgewickelt werden kön-
nen. Vor allem soll der Kooperationsprozess 
vor Ort auf institutioneller Ebene zwischen 
Kanton und Gemeinden, aber auch auf der 
Ebene Verwaltung, Wissenschaft und Wirt-
schaft intensiviert werden. Projekte sollen 
auf eine breite Beteiligung abgestützt wer-
den, damit gemeinsame Werte entwickelt 
werden können. 
Lebenswert und klimaneutral
Die Wohnbevölkerung der Stadt Zürich 
weiss aus eigener Erfahrung, was Hitze-
inseln und Tropennächte sind. Der Kli-
mawandel beeinträchtigt phasenweise im 
Sommer die Lebensqualität der Menschen. 
«Wir möchten uns entwickeln, mehr grüne 
Begegnungsräume für die Menschen schaf-
fen und eine umweltschonende Mobilität 
fördern», stellt Christine Bai für die Zu-
kunft in Aussicht. Gemäss der Leiterin des 
Bereichs Grundlagen und Strategie im Tief-
bauamt der Stadt Zürich entspricht diese 
Entwicklungsperspektive auch dem Wunsch 
«­Ökologische Siedlungsent-
wicklung erfordert Sorgfalt 
und ­Geduld.»
Mehr zum Thema Bauprojekte  
und Biodiversität Seite 14
Die Heinrichstrasse in der Stadt Zürich 
wurde grossflächig entsiegelt und mit 
weiteren 48 Bäumen bepflanzt. Die 
Bewohner des Quartiers wissen dies zu 
schätzen und nutzen die Strasse in der 
Freizeit.

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