28 12/2026 Die länglichen, ellipsoiden und längsrilligen Kakaofrüchte (links) haben eine dicke, ledrige, harte Schale, sind gelb bis rot, 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegen bis zu 500 Gramm. Unter der Schale der in der Botanik als «Panzerbeeren» bezeichneten Früchte (rechts oben) befinden sich in fünf Reihen angeordnet 20 bis 60 abgeflachte Samen. Sie sind von einer weissen, süssen und schleimigen, sehr schmackhaften Kakaopulpe (rechts unten) umgeben. 40 bis 50 solcher Samen braucht es für eine Tafel Schokolade. Schon von den Mayas und Azteken wurden gemahlene und mit heissem Wasser aufgegossene Kakaobohnen als «Göttergetränk» konsumiert. pflanzungen einfliessen zu lassen: «Wir können Bestäuber-Empfänger-Kombina- tionen identifizieren, die qualitativ hoch- wertige Früchte hervorbringen und daher räumlich eng beieinander gepflanzt werden sollten.» Das ginge einher mit einer besse- ren Landnutzung und höheren Erträgen. Alles in allem bilden sich aus all den Blü- ten auch dann nur vergleichsweise wenige Früchte, wenn sich die genetisch wenig ver- wandten Pflanzen gegenseitig bestäuben. Woran kann das liegen? Die Forschenden können das nicht mit Sicherheit erklären. Es sei jedoch so, dass auf jeder Blüte im Schnitt nur dreissig Pollenkörner gefunden wurden. Für eine erfolgreiche Befruchtung sei etwa die vierfache Menge nötig. Eine andere Ursache könne sein, dass die einzel- nen Kakaopflanzen genetisch untereinander nicht kompatibel seien. Weitere Versuche Vansynghels ergaben, dass sich bei Selbstbestäubung nur ein gerin- ger Erfolg einstellte. Bei Fremdbestäubung war der Erfolg drei bis acht Mal höher. «Das Problem stellt sich erstaunlicherweise nicht überall.» Justine Vansynghel weiter: «In In- donesien kann man mit Handbestäubung einen Fruchtansatz von gut 50 Prozent er- reichen. Vermutlich liegt das daran, dass in den Plantagen dort nicht die ursprünglichen südamerikanischen, sondern ertragreichere Klone des Kakaos verwendet werden.» Das löse aber noch nicht alle Probleme. Kakaoplantagen in Afrika und Asien seien von so vielen Krankheiten und Schädlin- gen bedroht, dass grosse Monokulturen auf einen Schlag vernichtet werden können. Zudem lieferten die ertragreichen, nicht- ursprünglichen Sorten nur fünf bis zehn Jahre lang gute Ernten. Danach würden die Plantagen aufgegeben und neue Waldflä- chen für den Anbau genutzt. Regenwaldverlust wegen Plantagen Die Folgen daraus erklärt Janka auch in ihrem Vortrag: «Westafrika, das Hauptan- baugebiet für Kakao, hat achtzig Prozent seines Regenwalds durch Rodungen verlo- ren. Es gibt keine Schutzgebiete. Der Re- genwaldverlust ist in Westafrika schneller fortgeschritten als in Südamerika.» Die in früheren Jahrhunderten weithin übliche Sklavenhaltung auf den Kakaoplantagen der europäischen Kolonien wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in allen Anbauländern verboten. Bis heute ist jedoch Kinderarbeit noch weit verbreitet. Aus Ghana und der Elfenbeinküste kommen 71 Prozent der Weltproduktion. Auch in diesen Ländern arbeiten nach wie vor noch viele Kinder auf Kakaoplantagen, so Janka. Insgesamt arbeiteten noch 2019 in Kakao- anbaugebieten etwas weniger als die Hälfte aller Kinder von Kakaobauern mit. «Es gibt aber auch positive Entwicklungen: In der El- fenbeinküste ist die Rate der Kinder, die eine Schule besuchen, in den letzten zehn Jah- ren von 58 auf 80 Prozent gestiegen», sagt Janka. Man sollte unter anderem deshalb beim Kauf von Schokolade unbedingt auf das Fairtrade-Label achten, welches Bauern- familien ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht und in der Folge auch Kindern den Schulbesuch. Der Artikel entstand im Rahmen einer Führungsserie zu den drei pflanzlichen Genussmitteln Tee, Kaffee und Kakao im Botanischen Garten Basel mit der Botanikerin und Dozentin Heidrun Janka. Hinweis
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