12 12/2026 «Für eine erfolgreiche Umsetzung des Wan- dels sind die Gestaltung und das Zusam- menspiel von Räumen sowie die Mobilitäts- angebote Zürichs neu zu denken», wird im Strategiepapier festgehalten. «Dafür wird der Strassenraum umverteilt. So kann er sowohl zur Fortbewegung als auch zum Verweilen und Sich-Begegnen genutzt werden.» Die Vorarbeit für dieses Konzept, das zahlreiche weitere Dokumente umfasst, war intensiv und basierte auf einem klar strukturierten Prozess, der eine breite Entscheidungsfin- dung ermöglichte: Rund 120 Personen der Verwaltung hätten mitgewirkt, zusätzlich bekamen die umliegenden Gemeinden Ge- hör und ein interdisziplinärer Expertenrat wurde beigezogen, fasst Bai zusammen. Die Kampagne, mit der 2024 die neue Strategie der Stadt Zürich bekannt gemacht wurde, erhielt den «German Brand Award». Partizipation der Bewohner «Die Prozessgestaltung ist sehr wichtig», sagt die Mitarbeiterin des Zürcher Tiefbau- amts. Mit der Evaluation zu «Stadtraum und Mobilität 2040» startete die Zürcher Stadt- behörde 2019, danach folgte eine Work- shop-Reihe mit allen involvierten Dienst- abteilungen zu diesem Thema. Schritt für Schritt wurde die Strategie nach genauem Plan entwickelt, und erst im Frühjahr 2022 beschloss der Stadtrat erste Inhalte. Ab die- sem Zeitpunkt konnte die Stadt Zürich die Umsetzung und Ablösung von der alten Strategie sondieren. «Während der Erar- beitung der Vision war ein breit angelegter Mitwirkungsprozess für uns eine wichtige Grundlage», so Bai. Insbesondere die Stadtbewohnerinnen und -bewohner sollten einbezogen und be- fragt werden. Die Formen der Partizipation waren vielfältig und reichten von Online- Befragungen über Grossgruppendiskussio- nen bis hin zu Gesprächen mit Vertretern von Organisationen. Über 800 Ideen brach- ten die Bewohner ein, vertieft verschaffte sich die Stadtverwaltung Klarheit über Be- dürfnisse und Trends. Ebenso konnten die Eckpunkte der Vision formuliert werden: Der Stadtraum ist begrenzt, trotzdem muss er lebenswert bleiben und klimaneutral werden. In der offiziellen Version verkürzt man auf: «Lebenswert bleiben, klimaneutral werden». Dazu soll die Stadtplanung aus- gerichtet werden auf – ein breites und effizientes Mobilitätsan- gebot, – schöne Stadträume mit viel Lebensqua- lität – und eine erlebbare Stadtnatur, die den Menschen erfreut. Städte sollen grüner werden Heute ist gemäss Bai die Realität eine an- dere: Die Stadt Zürich floriert, ihre Bevöl- kerung wächst schnell und Individualver- kehr dominiert, weil Städte generell ab den 1960er-Jahren dafür gebaut worden sind. «Rund 60 Prozent der Strassenfläche dienen Autos. Dies geht zulasten von Grün- und Aufenthaltsräumen.» Ausserdem: Die jähr- lichen Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad verdoppeln sich gemäss Prognose bis 2040, parallel dazu sind mehr Tropen- nächte vorprogrammiert. Zürich wandelt sich zunehmend zu einer Hitzeinsel, die der Bevölkerung, wie Abstimmungen und Mitwirkungsverfahren aufgezeigt haben. Unter diesen Voraussetzungen konnten 14 Parkplätze in der Heinrichstrasse der Stadt Zürich aufgehoben und entsiegelt werden. Mitten in der Strasse wachsen 48 zusätzli- che Bäume. Seit 2023 benutzen Passanten, Anwohner und Kinder das deutlich verbrei- terte Trottoir. Mit der Strategie «Stadtraum und Mobili- tät 2040» will die Stadt Zürich die Lebens- qualität weiter verbessern und klimaneutral werden, um auch in Zukunft ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort zu bleiben. Grüne Orte, möglichst mit sickerfähigen Böden, laden zum Verweilen ein. Sie heizen im Sommer nicht auf.
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