12/2026 27 Die zahlreichen Blüten werden von zwei Mückenarten bestäubt, deren Larven sich im südamerikanischen Regenwald norma- lerweise in der Laubstreu entwickeln. Janka erklärt, während sie den Kakaobaum im Tropenhaus des Botanischen Gartens zeigt, der im Moment etwa ein Dutzend Früchte in verschiedenen Reifestadien trägt: «Wir ha- ben diese Mücken hier im Tropenhaus nicht. Dieser Baum hier trägt trotzdem meistens Früchte.» Wie geht das dann? Ganz sicher ist man sich nicht. Gärtner David Meier- hofer, der den Baum hegt, hat aus seinen Beobachtungen bei der Arbeit eine Theorie entwickelt. Es gibt nämlich noch einen wei- teren Kakaobaum an einem anderen Stand- ort hinter den Kulissen der Schauhäuser. Dieser trägt kaum je Früchte. «Wir haben zahlreiche winzige Insekten wie zum Beispiel Ameisen im Tropenhaus, die eventuell die Bestäubung übernehmen. Die Pflanze im Tropenhaus fruchtet regel- mässig. Die andere kaum. Sie hatte aber einmal Früchte, nachdem ich von Hand bestäubt habe. Daher denke ich, es ist kei- ne Selbstbestäubung im Spiel beim Baum im Tropenhaus, obwohl man das vermuten könnte», erklärt Meierhofer. Nur wenige Blüten bestäubt Bis zu tausend Blüten produziert ein Kakao- baum pro Jahr. Normalerweise wird nur ein winziger Bruchteil davon erfolgreich bestäubt. In Plantagen wird daher oft von Hand nachbestäubt, um den Ertrag zu er- höhen. Auch das hilft nur begrenzt. Forschende der Uni Würzburg haben auf Plantagen in Peru eigens eine Studie zu den Gründen durchgeführt. Es zeigte sich, dass dort nur zwei Prozent der von Insekten be- stäubten Blüten auch Früchte ansetzten. Bestäubung von Hand verdreifachte den Fruchtansatz auf sieben Prozent. «Die Ka- kaopflanze verfügt über einen Mechanis- mus, der die Selbstbestäubung zu verhindern scheint», erklärt Justine Vansynghel vom Biozentrum der Uni Würzburg. Ein hoher genetischer Unterschied, also ein möglichst geringer Verwandtschaftsgrad zwischen Pol- lenspender und Pollenempfänger, sei für den Bestäubungserfolg entscheidend. Das wird bei den Pflanzungen aber kaum beach- tet. Vansynghels Idee wäre, dieses Wissen künftig in akribisch geplante Plantagen- Haben die Früchte eine grüngelbe bis rote Farbe (links), sind sie erntereif. Der Flächenbedarf von Kakaopflanzungen (rechts) ist relativ gross, da zur Beschattung sogenannte Kakaomütter, wie Kokospalmen oder Bananen, zwischen den Sträuchern oder Bäumen gepflanzt werden. Rechtes Foto: Bea Mass Ursprünglich stammt der Kakaobaum aus den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Er benötigt feuchtwarmes Klima mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit von 70 bis 90 Prozent, Temperaturen zwischen 18 und 30 Grad Celsius, Schatten und viel Wasser. Die Pflanzen benötigen viel Pflege.
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