Baumschulen, Villen und Museen in Rom
Die Studienreise der Gartenbautechnikerinnen 26/28 führte nach Italien. In der Ewigen Stadt beschäftigten sie sich mit vielfältigen Themen und berichten hier in eigenen Worten davon.
Die Studienreise der Gartenbautechniker 26/28 vom Oeschberg führte uns dieses Jahr nach Bella Italia – genauer gesagt: nach Rom. Nach einer entspannten Anreise am Sonntagnachmittag begann unser Programm am Montagmorgen. Während unseres Aufenthalts in und um die Città Eterna hatten wir aufgrund eines vielfältigen Programms die Gelegenheit, uns mit verschiedenen Themen zu beschäftigen. Gerade in Bezug auf die Zukunft lohnt es sich, den Blick Richtung Süden zu richten, um neue Herausforderungen sowie auch Möglichkeiten früh zu erkennen.

Montag: Musei Capitolini
Der Besuch der Musei Capitolini in Rom hat uns in vielerlei Hinsicht inspiriert. Zahlreiche der ausgestellten Kunstwerke stammen ursprünglich aus römischen Villen, Palästen und Gartenanlagen und geben wertvolle Einblicke in die Garten- und Gestaltungskultur der Antike. Erstaunlich viele der damals entwickelten Gestaltungsprinzipien finden sich bis heute in der Gartenarchitektur wieder. Die Einbindung von Skulpturen in Parkanlagen, symmetrische Gartenstrukturen oder gezielt angelegte Sichtachsen sind nach wie vor wichtige Elemente der Gartengestaltung. Insbesondere Fachpersonen, die historische Gärten planen, restaurieren oder pflegen, begegnen diesen Gestaltungsmitteln regelmässig. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie nachhaltig die antike Gartenkunst die grüne Branche bis heute prägt.
Besonders eindrücklich wirkte auf uns der Innenhof des Palazzo dei Conservatori. Seine architektonischen Elemente und die dort aufbewahrten Skulpturen verleihen ihm ein besonderes Erscheinungsbild. Die antiken Kunstwerke wurden einst in den Palästen des römischen Adels ausgestellt und sollten die Grösse und Bedeutung Roms verdeutlichen.
Für den Gartenbau ist besonders interessant, wie der Innenhof als Aussenraum gestaltet wurde. Skulpturen, Bögen und Säulen wurden gezielt angeordnet, um Blickachsen zu schaffen und bestimmte Bereiche hervorzuheben. Einige dieser Bauelemente stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im Jahr 1563 wurde der Palazzo dei Conservatori nach den Entwürfen Michelangelos erneuert. Besonders beeindruckend sind die Fragmente der Kolossalstatue Kaiser Konstantins, die bis heute als starke Gestaltungselemente wirken. Sie zeigen eindrücklich, wie Kunst und Architektur miteinander verbunden werden können. Der Innenhof ist damit ein gelungenes Beispiel dafür, wie historische Objekte gezielt eingesetzt werden, um die Wirkung eines Aussenraums zu verstärken.

Auf vielen Mosaiken, Reliefs, Sarkophagen und Statuen sind zahlreiche Pflanzen dargestellt. Anhand dieser Darstellungen erkennen wir, welche Pflanzen bereits zur Zeit der Römer verwendet wurden und welche symbolisch oder gestalterisch von Bedeutung waren. Das berühmte Taubenmosaik im Sala delle Colombe zeigt beispielsweise eine bemerkenswert naturgetreue Darstellung von Tieren und Wasser. Solche Werke können als Inspiration dienen und zeigen, wie Natur in die Gestaltung eingebunden werden kann. Viele historische Anlagen orientieren sich an antiken Vorbildern.
Im Musei Capitolini erhielten wir Einblicke in die verwendeten Materialien und den Aufbau solcher Anlagen. Der Besuch vermittelt ein besseres Verständnis für die Ursprünge der europäischen Gartenkultur. Viele Gestaltungselemente von damals spielen auch heute noch eine wichtige Rolle. Besonders bei der Arbeit in Schlossgärten, Friedhöfen oder historischen Parkanlagen hilft dieses Wissen, historische Zusammenhänge besser zu verstehen.

Die Gärten des Papstes
Die Parkanlage im Inneren des Vatikans ist kein einheitlicher Park. Er ist ein Puzzle verschiedenster Stilrichtungen. Die Gartenanlage im Vatikan umfasst eine Fläche von 22 Hektaren. Die niederen Buchshecken mit teils chaussierten Wegen, werden umschlossen von Rasenflächen. Die Heckenelement werden ergänzt mit diversen Kleinbäumen wie Olivenbäume und Lagerstroemia. Unter den grösseren Gehölzen finden sich Mittelmeerpinien und Magnolien. Die Pflanzenvielfalt ist begrenzt und es waren kaum Staudenbepflanzungen zu sichten. Wenn Stauden, waren es Gräser in Töpfen.
Ein Team von 35 Mann pflegt die Anlage, davon 5 mit agrarischer Ausbildung und 5 Baumpfleger. Die zunehmende Hitze mit tropischen Charakteristika führt zu Stresssituationen für Pflanzen und Böden und somit deren Vitalität. Es muss heute deutlich mehr bewässert werden. 10 Hektaren sind dafür mit Bewässerungseinrichtungen ausgestattet. Glücklicherweise ist die Verfügbarkeit des Wassers kein Problem, jedoch ist die Wasserqualität nicht die beste. Das Wasser ist stark kalkhaltig, was nicht allen Pflanzen gefällt. Besonders problematisch ist die Kombination mit der Hitze und den Mehrfachgenerationen des Buchsbaumzünslers (bis zu 4 Generationen pro Jahr). Diese Faktoren erschweren die Pflege klassischer Gartenpflanzen und erfordern neue Strategien in der Pflanzenwahl und Bewässerung. Ausserdem wird mit anderen Pflanzenarten geprobt die besser ans Klima angepasst sind. Ein Versuch dabei ist die Myrcine africana als Buchsersatz.


Neben der Residenz des Papstes befindet sich ein Gemüsegarten, zu dem normalerweise niemand von der Öffentlichkeit Zutritt hat. Als angehende Fachpersonen durften wir ihn ansehen und fanden dabei heraus, dass der Papst Leo XIV gerne Chillis hat.
Vivai Torsanlorenzo – mediterrane Baumschule im Zeichen des Klimawandels
Im Rahmen unserer Weiterbildung zum Gartenbautechniker HF besuchten wir während der Studienreise nach Rom die Baumschule Vivai Torsanlorenzo in Tor San Lorenzo bei Ardea, südlich der Hauptstadt. Der Betrieb gehört zu den bekanntesten Baumschulen Italiens und ist auf mediterrane sowie exotische Gehölze spezialisiert. Für uns war der Besuch aus zwei Gründen besonders interessant: Zum einen zeigt der Betrieb eindrücklich, wie Pflanzenproduktion in einem heissen, trockenen Klima funktioniert. Zum anderen liefert er konkrete Hinweise darauf, welche Arten künftig auch in der Schweiz an Bedeutung gewinnen könnten. Was wir dort sahen, betrifft unsere Branche direkter, als man auf den ersten Blick meinen würde.
Vom Kundenauftrag zum Grossbetrieb
Mario Margheriti gründete den Betrieb 1978. Der Anstoss dazu kam von einem Kunden, der einen grossen Garten realisieren wollte; das Projekt war jedoch zu teuer, worauf man Margheriti ermunterte, eine eigene Firma zu eröffnen. Er war in erster Linie Geschäftsmann – und baute aus dem kleinen Anfang einen Betrieb auf, der heute internationale Ausstrahlung hat. Inzwischen führen seine drei Töchter das Unternehmen. Sie machten kein Geheimnis daraus, dass dies in Italien nicht einfach ist: Die Grüne Branche ist dort noch stärker eine Männerdomäne als bei uns. Umso mehr beeindruckte uns, mit welcher Selbstverständlichkeit und Fachkompetenz die drei den Betrieb leiten. Der Standort umfasst rund 44 Hektaren. Etwa 25 Mitarbeitende sind ganzjährig angestellt; in der Saison wächst das Team auf bis zu 50 Personen. Eine enge verwandtschaftliche Verbindung besteht zur Baumschule Margheriti in Chiusi, dem Herkunftsort der Familie. Weil der Betrieb auf eine lange Firmengeschichte zurückblickt, stehen laufend Erneuerungen an: Einzelne Gewächshäuser sind über 40 Jahre alt und werden derzeit renoviert, weshalb Teile der Flächen vorübergehend nicht bepflanzt sind.

Sortiment im Wandel des Klimas
Torsanlorenzo produziert Bäume und Sträucher in allen Grössen und setzt konsequent auf Eigenproduktion – zugekauft wird vergleichsweise wenig. Im Sortiment finden sich neben mediterranen Klassikern auffallend viele Arten aus Australien und Südafrika. Genau hier wurde es für uns fachlich spannend: Die Betriebsleitung berichtete, dass Arten, die am Standort bis vor wenigen Jahren zuverlässig funktionierten, wegen des Klimawandels zunehmend ausfallen. Gleichzeitig nehmen wir in der Schweiz genau solche Pflanzen langsam ins Sortiment auf. Was in Ardea an seine Grenzen kommt, beginnt bei uns zu funktionieren – eine Verschiebung, die wir bei der Pflanzenverwendung künftig mitdenken müssen. Auch die nördlichen Baumschulen Europas tun sich schwer, mediterrane Ware in guter Qualität zu produzieren, was die Position spezialisierter Betriebe wie Torsanlorenzo stärkt. Als robust erwiesen haben sich verschiedene Yucca-Arten sowie die Palmengattung Thrinax, die kühlere Temperaturen erstaunlich gut erträgt. Empfindlichere Arten wie Carissa gedeihen dagegen in Süditalien deutlich besser. In den geschlossenen Gewächshäusern kultiviert der Betrieb zudem Grünpflanzen für Hotels und repräsentative Firmengebäude, darunter Alocasia und bis zu vier Meter hohe Strelitzien, ausserdem den Baumfarn Cyathea australis. Ergänzt wird das Ganze durch eine relativ grosse Citrusproduktion.

Wasser und Kulturtechnik
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs herrschte anhaltende Trockenheit, die Bewässerung lief auf Hochtouren. Der Betrieb arbeitet mit Grundwasser und profitiert von einem relativ hohen Grundwasserspiegel. Das Wasser wird in unterirdischen Tanks gespeichert. Weil es für die direkte Bewässerung zu kalt ist, pumpt man es zuerst in ein offenes Becken, wo es sich erwärmt. Da die Wasserqualität nicht optimal ist, muss es zusätzlich leicht aufbereitet werden. Dieser mehrstufige Umgang mit dem Wasser zeigt exemplarisch, wie viel Aufwand hinter einer sicheren Containerproduktion im mediterranen Klima steckt. In der Kulturtechnik fielen uns weitere Details auf: Für einzelne Kulturen setzt der Betrieb Air-Pots ein, welche die Wurzelbildung verbessern. Die anschliessende Rundfahrt über das Gelände machte uns die schiere Grösse des Betriebs erst richtig bewusst. Besonders eindrücklich waren die grossen Solitärpflanzen, allen voran riesige, alte Olivenbäume aus Kalabrien, die hier für den Verkauf bereitstehen. Solche Dimensionen – sowohl bei den Flächen als auch bei der Ware – kennen wir aus Schweizer Baumschulen kaum.

Fazit
Der Besuch bei Vivai Torsanlorenzo hat sich für uns klar gelohnt. Wer aus der Grünen Branche in der Region Rom unterwegs ist, sollte diesen Betrieb gesehen haben – wegen der Dimensionen, der Sortimentsvielfalt und des konsequenten Umgangs mit Wasser. Für unsere zukünftige Tätigkeit in der Schweiz nehmen wir vor allem zwei Erkenntnisse mit: Erstens verschiebt sich das nutzbare Pflanzenspektrum spürbar, und wir tun gut daran, trockenheits- und hitzeverträgliche Arten frühzeitig zu prüfen, statt nur auf Bewährtes zu setzen. Zweitens wird Wassermanagement – Speicherung, Aufbereitung, bedarfsgerechte Steuerung – auch bei uns zum Schlüsselfaktor. Torsanlorenzo zeigt, wie man beides seit Jahrzehnten professionell umsetzt.
Travertin-Steinbruch
Die Società del Travertino Romano S.p.A. (STR) wurde 1916 gegründet. Heute baut sie Travertin in den Steinbrüchen Valle Pilella, Barco und Le Fosse bei Tivoli und Guidonia ab und verarbeitet die Rohblöcke in eigenen Werken zu Platten, Bauteilen und Dekoelementen. Ab September arbeiten rund 60–70 Personen im Steinbruch. Unsere Führung leitete Sales Manager Gianluca Troiani.
Travertin ist ein junger, poröser Kalkstein und bleibt im Sommer vergleichsweise kühl. Die Poren entstehen durch Pflanzen- und Insektenablagerungen. Er bildet sich aus Vulkangestein, Kalk- und Regenwasser, beim Abfliessen entstehen sichtbare horizontale Streifen. Italienischer Travertin wird im Boden nach unten gedrückt und gilt dadurch als stabiler als türkischer Travertin, der nach oben gedrückt wird und brüchiger sein kann.

Von oben werden im Abstand von 1,70 m (seitlich) und 3 m (stirnseitig) Bohrungen gesetzt. Anschliessend wird die Wand an der Sohle 3 m tief eingeschnitten. Ein mit Diamantkörnern bestückter Stahldraht wird durch die Bohrungen geführt und schneidet den Stein von der Seite aus frei. Vor der Wand wird ein Kissen aus Sand und mineralischem Material aufgebaut, um den Sturz zu dämpfen. Nach dem Durchtrennen sichern Keile und Steinblöcke die Wand gegen Rückfallen. Mit wassergefüllten Ballonen wird sie nach vorne gedrückt, bis sie auf das Sandkissen fällt. Dabei werden etwa 30 % des Steines beschädigt und diese werden später zu kleineren Blöcken verarbeitet.

Die bis zu 30 t schweren Blöcke werden auf Schienen zu Diamantfräsmaschinen transportiert und in 2–3 cm dicke Platten geschnitten. Die Fräse schafft etwa 3,5 cm pro Stunde und benötigt pro Block rund 43 Stunden. Quellwasser kühlt die Diamantblätter und verhindert Ablagerungen. Danach werden Dimension, Oberfläche und Poren nach Kundenwunsch bearbeitet und gefüllt.

Der Steinbruch Società del Travertino Romano zeigt uns wie zeitaufwendig die Produktion und Verarbeitung einer Travertin Platte ist. Trotz bis zu 60 Jahre alten Maschinen ist es beeindruckend, wie präzise die Maschinen die Blöcke schneiden.
Garten der Villa d’Este
Der besondere Garten mit der Villa d’Este in Tivoli in der Nähe zu Rom, gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Erste Ideen, den mit Obstgehölzen bepflanzte, steile Hang unterhalb der Villa in einen Garten zu verwandeln, bestanden bereits 1550 n.Chr. Es dauerte allerding über 10 Jahre, bis das Gesamtkonzept der Villa mitsamt Garten geklärt war.

Der steile Hang wurde in mehrere Etagen terrassiert und ist stark geprägt von eindrücklichen Wasseranlagen. Das für den Garten benötigte Wasser stammt aus dem nahegelegenen Fluss Aniene. Die anspruchsvolle Topografie wurde eindrücklich genutzt um Wasserfälle, Fontänen und im flacheren unteren Teil des Gartens, drei grosse Wasserbecken realisieren zu können.

Der Garten ist in seiner Charakteristik klar strukturiert. Kleine Immergrüne Hecken fassen die einzelnen Flächen ein und trennen Grünfläche und Wege. Stauden, werden dabei kaum verwendet. Eindrücklich zeigt sich der üppige Baumbestand, welcher den Garten prägt und über die vielen Jahre gewachsen ist. Beim Fontana dell’Ovato sind drei, im 16 Jahrhundert gepflanzte Platanus orientalis anzutreffen. Sie sind die ältesten noch bestehenden Bäume der Anlage.

An der Seite des Baumspezialisten Dr. For. Riccardo Paganini durften wir die Schönheit, aber auch die Tücken einer solchen Anlage kennenlernen. Er pflegt und analysiert den Villagarten seit drei Jahren. In der Anlage stehen rund 220 Bäume und ca. 20 verschiedene, vor allem einheimische italienische Arten, wie die Pinus pinea. Gleichzeitig zeigt sich, dass einige dieser Arten stark unter Druck geraten.
Grosse Sorgen bereitet die amerikanische Schildlaus, sie entzieht der Pinie wichtige Nährstoffe und bildet klebrigen Honigtau, der Pilzbefall begünstigt. Weitere Beispiele sind die Palmenmotte bei der Palme und der Grosse Eichenbock bei der Steineiche. Letzterer ist einheimisch und geschützt, weshalb er nicht bekämpft werden darf.
Um die Bäume der Villa d’Este zu schützen, setzt Riccardo mit seinem Team auf Schalltomographie. Mithilfe von Schallimpulsen werden Stammquerschnitte erzeugt, um Schädlinge frühzeitig zu erkennen.
Fazit Studienreise
An dieser Stelle möchten wir als Klasse unseren Dank an Michael Flühmann und Beat Wyss richten, die gemeinsam mit einem Reiseveranstalter unsere Studienreise planten und für einen reibungslosen Ablauf sorgten.
Das Sehen und Besprechen anderer Sichtweisen und Methoden erweitert zwangsläufig auch die eigenen. Gerade in Bezug auf die Pflanzenverwendung und den Pflanzenschutz bewegen wir uns in einer spannenden Zeit. Erfahrungen von Experten anderer Regionen können uns helfen, uns vorzubereiten oder aus ihren "Fehlern" zu lernen. Auch neben den fachlichen Themen konnten wir die Besuche der verschiedenen Institutionen sowie auch die Kulinarik und Rom an sich geniessen. In diesem Sinne:
Arrivederci
