Hohe ökologische Vielfalt

Die Telli Nordosten von Aarau ist eine der grössten Überbauungen der Schweiz. Das Quartier zeigt, dass sich eine hohe bauliche Dichte, Natur, Freizeitnutzung und Gartenkultur nicht ausschliessen müssen.

Der jährlich stattfindende Anlass des Aargauer Departements für Bau, Verkehr und Umwelt widmete sich dieses Jahr dem Thema «Innenentwicklung und Biodiversität». Verschiedene Experten zeigten am Vernetzungsanlass Natur 2030 in Aarau auf, wie mehr multifunktional genutzte Flächen geschaffen werden können, welche Spielräume in der Umsetzung von Normen vorhanden sind und welche Synergiepotenziale es zwischen Verdichtung, Biodiversität, Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung gibt.
Dass sich eine hohe bauliche Dichte, Natur, Freizeitnutzung und Gartenkultur nicht ausschliessen, zeigte eine Begehung des Telli-Quartiers im Nordosten von Aarau an der Auenlandschaft der Aare. Die Telli ist eine der grössten Überbauungen der Schweiz. Gebäude und Freiräume bilden ein schutzwürdiges Ensemble. Die vier verschieden langen Wohnzeilen mit zwischen sechs bis 19 Geschossen fassen 1258 Wohnungen. In ihnen leben derzeit rund zehn Prozent der Aarauer Bevölkerung. Gebaut wurden die Blöcke zwischen 1971 und 1980. Zwei Trakte wurden vor rund drei Jahren energetisch saniert. Im Zuge dieser Sanierung wurde der grosszügige Tellipark wiederhergestellt, denn er hatte unter den Bauarbeiten gelitten.
Den Landschaftsarchitekten Albert Zulauf und Partner gelang es bei der Gestaltung in den 70er-Jahren den grossen zusammenhängenden Freiraum der Siedlung in die nahe Auenlandschaft der Aare übergehen zu lassen. Dank dieser weitläufigen Parklandschaft und dem Naherholungsgebiet ist die Wohnqualität in der riesigen Siedlung hoch.
Der Wiederherstellung des weitläufigen Parks nahmen sich zwischen 2016 und 2023 Müller Illien Landschaftsarchitekten an. Das Grünplanungsbüro hat den Park nach dem ursprünglichen Konzept wiederhergestellt und nach dem heutigen Wissensstand optimiert. Die Arbeit am Tellipark war ungewöhnlich, denn es handelte sich um eine Wiederherstellung des Werks von Zulauf und Partner nach gartendenkmalpflegerischen Prinzipien.
Ein bedeutendes Kapitel der Anlage sind die zahlreichen einheimischen Bäume. Besonders die Schattenplätze der grosskronigen Exemplare waren nicht wegzudenken. Viele der wertvollen alten Bäume mussten wegen der Sanierung der Tiefgarage gefällt werden. Bei der Neubepflanzung wurde auf eine möglichst hohe Artenvielfalt geachtet. Die Parklandschaft zählt nach der Sanierung rund 100 Bäume mehr als vorher.

Viel Zeit wurde zudem in die Modellierung der Hügel investiert. Die Topografie ist ein wichtiges Gestaltungselement des ursprünglichen Konzepts und damit auch bei der Umgestaltung. Und während früher die gesamte Grünfläche aus Rasen bestand, kommt dieser heute nur noch auf der zentralen Spielwiese vor. Wo immer möglich wurde mittels Blumenwiesen, Stauden und Gehölzen für eine möglichst hohe Biodiversität gesorgt.


Text: Sarah C. Sidler

Damit sich die über 2000 Bewohner der Telli nach wie vor mit dem Quartier identifizieren können, wurden sie in den Planungsprozess zur Parksanierung miteinbezogen. Foto: Sarah C. Sidler
Damit sich die über 2000 Bewohner der Telli nach wie vor mit dem Quartier identifizieren können, wurden sie in den Planungsprozess zur Parksanierung miteinbezogen.
Foto: Sarah C. Sidler