03.09.2026

Europas Bäume sterben immer eher

Alle klimatischen Abweichungen erhöhen das Risiko für das Baumsterben. Grund ist langanhaltender Stress, der von mehreren Faktoren ausgelöst wird: Wassermangel, Hitze, Kälte, Stürme und ein zunehmender Befall mit Schädlingen.

(cb) Noch gibt es sie – uralte Baum-Veteranen. Doch ihre Zukunft sieht düster aus, jene ihrer jüngeren Artgenossen scheint noch gravierender. Eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und des französischen «Laboratoire des Sciences du Climat et de l’Environnement» über französische Wälder zeigt, dass die Bäume in ganz Europa zunehmend früher absterben. Seit rund zwanzig Jahren gibt es diese Anzeichen. Grund dafür ist nicht nur die extreme Hitze mit lang anhaltender Trockenheit, wie erneut in diesem Sommer. Alle klimatischen Abweichungen, so auch ungewöhnlich warme oder feuchte Frühlinge, erhöhen das Risiko. Die Bäume stehen lang anhaltend unter Stress, der von mehreren Faktoren ausgelöst wird: Wassermangel, Hitze, Kälte, Stürme und ein zunehmender Befall mit Schädlingen.

Bei der Auswertung von Daten des französischen Forstinventars von 2015 bis 2023 konnten die Forschenden mithilfe einer Kombination verschiedener Computermodelle und maschinellem Lernen zeigen, dass neben der Baumgrösse und Konkurrenzverhältnissen insbesondere Abweichungen vom üblichen saisonalen Klima das Baumsterben auslösten.

Gute Bedingungen: Keine Garantie
Selbst gute Wachstumsbedingungen wie warme, feuchte Frühlinge erhöhen das Risiko, dass Bäume absterben können. Dies wurde besonders bei hochwachsenden Weisstannen beobachtet. Die Forschenden nehmen an, dass diese Bäume dadurch stärker wachsen und ihr erhöhter Wasserbedarf sie bei Trockenheit anfälliger macht. Sie ziehen mehr Wasser aus dem Boden, sodass bei Trockenheit die Wasservorräte im Boden schwinden und die Bäume unter Trockenstress geraten. Feuchte Frühlinge begünstige zudem Krankheitserreger wie Pilze.
Unterschiedliche Faktoren führen nicht in gleicher Weise zu Problemen oder dem Absterben der Bäume. Jede Baumart reagiert anders auf den zunehmenden Wassermangel oder intensive Dürreperioden. Auch milde Winter können problematisch sein, da mehr Schädlinge überleben und ein verfrühter Austrieb durch Spätfrost gefährdet ist. Das Baumsterben ist also ein Zusammenspiel von Abweichungen vom üblichen Klima und nicht nur durch einzelne Extremereignisse bedingt.
Jede Art reagiert anders auf die sich ändernden Bedingungen. Dementsprechend muss sich die Forstpraxis verändern. Bei künftigen Pflanzungen sollten verstärkt trockenresistentere Bäume aus südlichen Regionen zum Einsatz kommen, wobei sowohl bereits bewährte Arten als auch neue eingesetzt werden können. Grosse Bäume, die viel Wasser verbrauchen, müssten früher aus dem Bestand entfernt werden. Auch die Auflockerung des Baumbestands spielt eine wichtige Rolle.

https://upscale-project.ch

In diesem Sommer war das Laub vieler Bäume bereits im August welk und fiel ab. Besonders alte und junge Bäume leiden unter Hitze, Wassermangel und vermehrtem Schädlingsbefall. Foto: Claudia Bertoldi
In diesem Sommer war das Laub vieler Bäume bereits im August welk und fiel ab. Besonders alte und junge Bäume leiden unter Hitze, Wassermangel und vermehrtem Schädlingsbefall.
Foto: Claudia Bertoldi