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Intensive Tage in England

Der Pilotjahrgang der Vertiefungsklasse 23 der Gewerblichen Berufsschule Wetzikon war auf Studienreise in England. Hier berichten die Teilnehmenden in eigenen Worten und Bildern von ihren Erlebnissen.

'Bam!', das Haus erzittert, der Hausbesitzer springt auf, denkt sich vermutlich 'Not again!' und kommt aus dem Haus gesprungen. Unser Seitenspiegel hat den dicken Metallpfosten gestreift, welcher absichtlich als Hausschutz da platziert wurde – offensichtlich waren wir nicht die Ersten... Alles gut, das Haus stand noch, die Hälfte des linken Seitenspiegels war noch dran und einige klärende Worte mit dem Hausbesitzer liessen die Stimmung abkühlen. Ansonsten hatten wir einige Krankheitstage zu verzeichnen, wobei eine Teilnehmerin leider sogar frühzeitig nach Hause reisen musste. Immerhin, alle sind nun wieder wohlauf und das Mietauto geflickt – so viel zur Negativbilanz von unserem Auslandaufenthalt in England mit der Vertiefungsklasse. 

Unsere frühe Anreise am Sonntag ermöglichte bereits einen ersten Gartenbesuch. Dieser fand auf der Durchreise zu unserer Unterkunft im Stourhead Garden statt. Die Umrundung des grossen Sees zu Fuss machte deutlich, welcher Aufwand ab 1740 betrieben wurde, um den noch heute bedeutenden englischen Landschaftsgarten zu erschaffen. Danach ging es weiter in die Unterkunft, in der von den Auszubildenden der Hot Tub schneller eingeheizt war als der Grill um das Nachtessen zuzubereiten. Mit dem öffentlichen Bus reisten wir am zweiten Tag an Stonehenge vorbei nach London in die Kew Gardens. Neben den lauten, sich nach Heathrow im Anflug befindenden Flugzeugen, berichtete uns Valerie mit vielen Anekdoten unter anderem, wie es zum Zusammenschluss mehrerer Gärten zu den Kew Gardens und schlussendlich, gemäss ihren Angaben, zur wichtigsten Institution in Bezug mit Pflanzen gekommen ist. 

Übung im Trockensteinmauern  
Tom Trouton und zwei Angestellte aus seinem Team begrüssten uns am Dienstag herzlich und gaben uns einen Überblick über den bevorstehenden Workshop zum Thema Trockensteinmauer. Nach dem ersten Kaffee und Pain au chocolat wurden uns anhand der unterschiedlichen Gesteinen und Mauerarten auf dem Gelände von The Newt erste theoretische Inputs zum Erstellen einer Trockenmauer erläutert. Auf dem Übungsgelände angekommen, durften wir bei bestem Wetter selber an einer freistehenden Trockensteinmauer Hand anlegen und dabei erfahren, auf was zu achten ist. Vor lauter Teepause, Mittagspause, noch einer Teepause, einer Zvieripause mit auf dem Feuer getoastetem Brot und Besichtigung der weitläufigen Anlagen haben wir noch grad knapp vor Ladenschluss ...


bis zu diesem Punkt stand der Beitrag bereits in der gedruckten Ausgabe 24 von g'plus vom xx.12.2015

ab hier folgt nun die Online-Fortsetzung:


... den ansässigen Souvenirshop besuchen können. Ein weiteres Highlight war die versteinerte von Tom mitgebrachte Dinosaurierkacke. Die Hälfte der Vertiefungsklasse wollte nichts von einem Tag mit lockerem Programm zur Erholung wissen und fuhr in die entfernt gelegene Anlage des Eden Project. In einer ehemaligen Tonmine wurden, man kann sich das vielleicht so vorstellen, XXL-Masoalahallen errichtet. Es ist die weltgrösste Anlage, in der ein Regenwald nachgebildet wurde. Die zweite Hälfte der Klasse besuchte nach einer Einkaufstour im nahe gelegenen Dorf den in Herbstfarben befindenden Garten von Piet Oudolf auf dem Gelände von Hauser & Wirth. 

Der Donnerstag war ein weiterer sehr intensiver Tag, da wir bis in die beiden Gärten Sissinghurst und Great Dixter fuhren. Nebst dem Verschlafen war auch der Seitenspiegel und zu wenig Luft in einem der Pneus unserer Autos für die viertelstündige Verspätung in Sissinghurst verantwortlich. Da angekommen verschafften wir uns vom Turm aus einen ersten Überblick. Die Lernenden stellten in Skizzen Gartenräume dar, welche wir danach im Bereich Delos, dem mediterranen Gartenteil von Sissinghurst, besprachen. In Delos sind wir auf die Schwierigkeit der nassen Winter für Mittelmeerpflanzen zu sprechen gekommen, obwohl viele davon in Bezug auf die Winterhärtezone bestens gedeihen können. 

Hotspot für die Biodiversität
Im nächsten bekannten Garten, dem Great Dixter, kamen wir in den Genuss einer Führung von Claire, welche uns erklärte, weshalb der Garten auch im Herbst in vollster Blütenpracht steht und dies ein ausserordentlicher Hotspot für die Biodiversität ist. Am Freitag, unser Heimreisetag, konnten wir im privaten Garten von Jo McKerr einiges über 'biodiversity in gardens and management of ecological gardens' hören. Auf eindrückliche Weise erklärte sie, wie Tiere zurück in den Garten finden und ihnen mit entsprechender Gartenpflege und -umänderung ein Habitat geboten werden kann. Gegen Mitternacht erreichten wir dann den Bahnhof in Zürich, übermüdet aber mit unzähligen neuen Erfahrungen und Erinnerungen. 



Mehr zu der Ausbildung:

Der Auslandaufenthalt stellt den Höhepunkt der Vertiefungsklasse dar, welche sich über 160 Lektionen erstreckt. Davon werden 80 Lektionen in englischer Sprache gehalten und auch die eine oder andere Arbeit in englisch gefordert (z.B. ein Podcast über Biodiversität oder ein Brief an die Lehrbetriebe mit einer Empfehlung für Vermessungsgeräte). Die Lernenden besuchen den Unterricht in der regulären Klasse. Zudem treffen sie sich vom 2. bis zum 5. Semester acht mal als Vertiefungsklasse, meist freitags und samstags und einer Woche im Ausland zu unterschiedlichen fachlichen Themen. Angesprochen sind Lernende Gärtner:innen EFZ, welche sich vermehrt mit Fachthemen und der englischen Sprache auseinandersetzen möchten. 

Die GBW (Gewerbliche Berufsschule Wetzikon) bezieht dazu Gelder aus den Angeboten der 'Talentförderung Plus' und 'bili basic'. Das Angebot richtet sich auch an Lernende aus nahe gelegenen Berufsschulen. So befinden sich aktuell in der Vertiefungsklasse 24 drei Schüler aus Brugg respektive Weinfelden. Informationen dazu findet man auf www.gbwetzikon.ch/garten/ unter 'Vertiefungsklasse', weitere Einblicke gibt es auf Instagram unter 'gbw_ garten'. 




Text: Felix Brüngger 
Bilder: Felix Brüngger, Patrick Schöni

Die Vertiefungsklasse beim Workshop Bau einer Trockensteinmauer mit Tom Trouton und seinen Angestellten auf dem Gelände von The Newt.
Die Vertiefungsklasse beim Workshop Bau einer Trockensteinmauer mit Tom Trouton und seinen Angestellten auf dem Gelände von The Newt.
Im Austausch mit Lernenden im Stourhead Garden.
Im Austausch mit Lernenden im Stourhead Garden.
Im Naturgarten von Jo McKerr.
Im Naturgarten von Jo McKerr.

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