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Wenn das bunte Laub zu früh kommt

Der trockene Sommer 2018 sorgte dafür, dass viele Buchen in der Schweiz bereits im Juli ihre Herbstfärbung zeigten. Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben untersucht, wie es den frühzeitig zum Herbst übergegangenen Buchen von damals heute geht. Überdurchschnittlich viele sind abgestorben. Das lässt düstere Prognosen für die vorgeschädigten Buchen zu, die im erneuten trockenen Sommer 2022 vermutlich weiter geschwächt wurden. Denn auch heuer hat sich an trockenen Standorten das Buchenlaub bereits im Juli ins typische Rotbraun verfärbt.

Zustand von 1000 Buchen erhoben

Die Studie untersucht den Zustand von etwa 1000 Buchen mit früher Laubfärbung in den Regionen Aargau, Baselland,
Knonauer Amt, Schaffhausen und Zürich in den drei auf 2018 folgenden Jahren. Die Forschenden haben jeweils den Anteil toter Äste und den Blattverlust bei gut 800 Buchen mit früher Herbstfärbung und zum Vergleich bei über 100 Buchen mit normalem Laubfall erhoben. 

Von den 800 Buchen starben in der Region Schaffhausen zehn Prozent ab, in Baselland sieben Prozent und im Knonaueramt/Bremgarten nur vier. Im Knonauer Amt überlebten mehr Buchen, weil der Boden dort mehr Feuchtigkeit speichern kann als etwa im karstigen Jurakalk von Baselland. Aus der Vergleichsgruppe der nicht vorzeitig in Herbstfärbung übergangenen Buchen starben nur zwei ab, was etwa der natürlichen Absterberate entspricht. Zusätzlich wurde allerdings vorsorglich ein weiteres Fünftel der untersuchten Buchen aus Sicherheitsgründen gefällt.

Laubabwurf kein Schutzmechanismus

«Es zeigte sich, dass Baumschäden und ein trockenes Klima zusammenhängen», erklärt Projektkoordinatorin Esther Frei. «Bäume an niederschlagsarmen Standorten und auf Böden, die wenig Wasserspeichern können, waren stärker betroffen.» Bäume mit frühzeitigem Laubfall erholten sich insbesondere auf sehr trockenen Standorten mit ebenfalls niederschlagsarmen Folgejahren nicht mehr. Sie zeigten mehr und mehr tote Äste. «Das Abwerfen des Laubes ist nicht als Schutzmechanismus des Baumes zu deuten, um die Trockenzeit besser zu überstehen. Es ist ein Schwächezeichen», erklärt Frei. 

Auch 2022 haben sich Buchen wieder früher verfärbt als üblich. Diesmal sind vor allem das Südtessin und Südhänge mit flachgründigen Böden in der Nordschweiz betroffen. Gewisse Standorte werden künftig vermutlich für Buchen
kaum noch infrage kommen.

Originalpublikation «Long-term soilwater limitation and previous tree vigor drive local variability of drought-induced crown dieback in Fagus sylvatica», Wissenschaftsmagazin «Science of the Total Environment», Nr. 851/2022: www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl:31367

Text und Foto: Alexandra von Ascheraden

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