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Heimatschutz würdigt Garteninventar

«Die historischen Gärten fristen im denkmalpflegerischen Alltag noch immer ein Mauerblümchendasein», sagt die Kunsthistorikerin Brigitt Siegel, die lange Zeit für das Institut für Denkmalpflege an der ETH Zürich gearbeitet hat.

Die Verleihung des diesjährigen Schulthess Gartenpreises hat zumindest in Fachkreisen der Gartenkultur Wertschätzung erwiesen. Mit dem auf 25 000 Franken dotierten Preis würdigt der Schweizer Heimatschutz das Engagement der Arbeitsgruppe Gartendenkmalpflege von Icomos Suisse.

Icomos ist der internationale Rat für Denkmäler und historische Stätten mit Sitz in Paris, die schweizerische Arbeitsgruppe Gartendenkmalpflege gründete Brigitte Siegel 1992 zusammen mit den beiden Landschaftsarchitekten Guido Hager und Peter Paul Stöckli sowie der Zürcher Gartendenkmalpflegerin Judith Rohrer. Unter Anleitung dieser unabhängigen Fachgruppe suchten 200 Freiwillige in Dörfern und Städten systematisch nach wertvollen Gärten und Grünanlagen ab und erstellten innert 20 Jahren ein Inventar mit 30 000 Objekten.

Der Umgang mit historischen Gärten ist bei privaten Gartenbesitzer und in der Politik ein kontroverses Thema, wie der Landschaftsarchitekt Peter Paul Stöckli ausführt. «Die Inventarisierung und die Schutzbestrebungen werden als Übergriff bewertet.» Ist der Garten zudem planungsrechtlich Bauland, wird er in den Verhandlungen oft Opfer von Kompromissen. Im Vergleich zur Baukultur erhalte er bei den Denkmalpflegern und Baubehörden weit weniger Beachtung, so Stöckli. Er wünscht sich deshalb für die Besitzer einen Beitrag an den Unterhalt, wie er auch der Landwirtschaft für zusätzliche Leistung für Gesellschaft und Umwelt entgolten würden.

«Ohne Inventar ist man chancenlos», sagt die Zürcher Gartendenkmalpflegerin Judith Rohrer. In ihm sieht sie ein wirkungsvolles Instrument, damit das Kulturgut Garten ernst genommen wird. Zürich hat 1989 als erste Stadt eine Fachstelle für Gartendenkmalpflege geschaffen und ein Inventar für schützenwerte Gärten eröffnet. Später folgten Genf, Basel, Bern und Winterthur mit der Schaffung solcher Fachstellen. Da Gärten leben und ihr Aussehen im Lauf der Jahreszeiten und über die Dauer ändern, ist die Pflege und das Gartengefüge im Auge zu behalten. Das Wachstum vorherzusehen, zu lenken und die Form zu wahren, ist Aufgabe von Gärtnerinnen und Gärtner, die sich für diese denkmalpflegerische Arbeit weiterge­bildet haben.


Foto des Parks der Villa Wenkenhof in Riehen (BS).: Noah Santer


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