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Artensterben in der Hausbibliothek

Wie findet man heraus, wie sich das Wissen um Pflanzen- und Tiernamen in der breiten Bevölkerung über die letzten dreihundert Jahre entwickelt hat? Dass es heute mit dem botanischen Allgemeinwissen nicht zum Besten steht, ist nicht neu. Aber wie lässt sich herausfinden, ob das in früheren Generationen besser aussah?

Die Lösung fanden Wissenschaftler buchstäblich im Bücherschrank. Sie haben 16 000 englischsprachige Werke, die über das «Projekt Gutenberg» online zugänglich sind, nach Bezeichnungen wie «Maikäfer» und «Lavendel» untersucht. Die durchforsteten Bücher sind zwischen 1705 und 1969 erschienen.

Buckelförmiger Trend
Das Ergebnis: Es gibt einen «buckelförmigen Trend», wie die Wissenschaftler es formulieren. Die Häufigkeit, Dichte und Ausdrucksvielfalt der Bezeichnungen hatte ihren höchsten Wert Anfang des 19. Jahrhunderts. Seitdem nimmt sie laufend ab. Ab 1835 zeigt sich eine Tendenz zu weniger eindeutigen Bezeichnungen. Diese besteht bis heute. Autoren schreiben eher «Baum» als beispielsweise «Linde». Bei den Tieren werden nur diejenigen gleichbleibend häufig genannt, mit denen der Mensch häufig zu tun hat. Das sind Nutz- und Haustiere wie Pferd und Hund oder bedrohliche wie der Bär. Der Erklärungsversuch der Forschenden: Mit Entdeckungsreisen und der Kolonialisierung kamen stetig exotische Pflanzen und Tiere nach Europa, welche die Menschen begeisterten. Das Wissen um die Arten stieg, und der Adel und das Bürgertum griffen es begeistert auf.

Industrialisierung entfremdet
Mit der Industrialisierung und Urbanisierung begann nicht nur der reale Biodiversitätsverlust, sondern es ging auch das Wissen um die Natur verloren. «Die reale Biodiversitätskrise scheint mit einer Gedankenkrise eng verbunden zu sein», vermutet Christian Wirth, einer der Autoren der Studie. «Wir sehen, dass mit dem Beginn der Industrialisierung beide Krisen parallel verlaufen. Ich denke, dass wir einen Stopp des realen Biodiversitätsverlusts nur durch einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel erreichen.»
Und was sind nun die meistgenannten Begriffe? Bei den Tieren führt das «Pferd», in grossem Abstand folgen «Hund» und «Vogel». Bei den Pflanzen hat «Baum» die meisten Nennungen. In der Top 20 folgen: Gras, Rose, Busch, Kaffee, Pflanze, Palme, Mais, Eiche, Lilie, Apfel, Esche, Baumwolle, Kartoffel, Pinie, Weizen, Moos, Farn, Weide, Salbei und Kirsche.

Die englischsprachige Publikation in «People and Nature» ist im Web kostenfrei zugänglich: https://doi.org/10.1002/pan3.10256

Alexandra von Ascheraden

Allein in den Büchern von Jules Verne mit ihren fantastischen Welten kommen 700 verschiedene Tiere und Pflanzen vor.  (Foto: Gabriele Rada / iDiv)zoom
Allein in den Büchern von Jules Verne mit ihren fantastischen Welten kommen 700 verschiedene Tiere und Pflanzen vor. (Foto: Gabriele Rada / iDiv)

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