04.09.2025
Eigenmietwert-Abschaffung: Zeitenwende mit unbekanntem Ausgang
Am 28. September richten sich die Blicke der Schweiz auf eine Abstimmung, die das Potenzial hat, das Steuersystem grundlegend zu verändern: Soll der Eigenmietwert, ein Relikt der 1930er-Jahre, abgeschafft werden? Und was sind mögliche Folgen für die Gärtnerbranche?
Am 28. September richten sich die Blicke der Schweiz auf eine Abstimmung, die das Potenzial hat, das Steuersystem grundlegend zu verändern: Soll der Eigenmietwert, ein Relikt der 1930er-Jahre, abgeschafft werden? Und was sind mögliche Folgen für die Gärtnerbranche?
Thomas Pfyffer, Leiter Kommunikation JardinSuisse
Jahrzehntelang mussten Immobilienbesitzer in der Schweiz den sogenannten Eigenmietwert – also den fiktiven Ertrag aus der eigenen Wohnung – versteuern. Die geplante Reform sieht vor, diese steuerliche Besonderheit zu beenden. Doch wohin genau die Reise geht, ist alles andere als sicher, weshalb JardinSuisse die Stimmfreigabe beschlossen hat.
Was steht auf dem Spiel?
Der Eigenmietwert polarisiert: Während Eigenheimbesitzer die Abschaffung als überfällige Entlastung und Stärkung der privaten Vorsorge feiern, warnen Kritiker vor millionenschweren Steuerausfällen – und möglichen Nebenwirkungen, die noch niemand voll überblickt. Das Thema ist scharf umkämpft: Befürworter sprechen von Gerechtigkeit und Anreizen, Kritiker von Ungleichgewicht und sozialen Risiken.
Drei Argumente der Befürworter
- Mehr Fairness für Eigenheimbesitzer: Die Besteuerung eines real gar nicht erzielten Einkommens sei nicht mehr zeitgemäss. Eigentümer würden langfristig entlastet und könnten mehr fürs Alter vorsorgen.
- Schub für Wohneigentum: Der Traum vom Eigenheim rücke näher, auch für die Mittelschicht und junge Familien. Die Eigentumsquote könnte endlich steigen.
- Weniger Bürokratie: Eine Steuer weniger – damit eine Vereinfachung des oft als undurchsichtig empfundenen Steuersystems.
Drei Argumente der Gegner
- Steuerausfälle: Gemeinden und Kantone verlieren nach Schätzungen bis zu zwei Milliarden Franken jährlich – mit unvorhersehbaren Folgen auch für die Finanzierung von Infrastruktur und Bildung.
- Vorteil für Vermögende: Es profitieren vor allem diejenigen, die bereits über Wohneigentum verfügen. Geringverdienende und Mieter schauen in die Röhre.
- Neue Steuerlasten möglich: Besonders kritisch: Um die leeren Kassen zu füllen, könnten die Kantone neue Liegenschaftssteuern erheben. Gerade in Tourismusregionen droht Immobilienbesitzern damit eine neue, wenn auch anders gelagerte Belastung.
Ungewisse Folgen
Die Abschaffung des Eigenmietwerts – ein echter Lackmustest für das Steuersystem und für die Zukunft der Steuerpolitik in der Schweiz. Die Folgen? Noch niemand kennt sie wirklich. Aber die Debatte bringt frischen Wind, politische Spannung und wichtige Fragen für alle, denen das Eigenheim, die Natur und ein ausgewogenes Gemeinwesen am Herzen liegen.
Auswirkungen auf die Grüne Branche?
JardinSuisse, Dachverband der Gärtner Schweiz, sieht wachsende Chancen für mehr privates Grün, für Gartenunterhalt – doch das Bild ist nicht uneingeschränkt grün-rosig:
- Entlastete Hausbesitzer könnten vermehrt in Gärten und Umgebungsflächen investieren. Das schafft Aufträge und Lebensraum für Biodiversität.
- Besonders Landschaftsbauer und Gartenpfleger könnten profitieren, wenn private Eigentümer durch höhere freie Mittel Renovationen und Neugestaltungen anstossen.
- Doch die Kehrseite: mögliche, in ihrer Auswirkung noch unbekannte neue Steuern auf Zweitliegenschaften. Die sogenannte Objektsteuer könnte die Nachfrage nach Gartenprojekten ausbremsen.
- Die grosse Unbekannte: Verhaltensänderungen der Eigenheimbesitzer. So müssen sich bei Annahme die Auswirkungen der wegfallenden Abzugsfähigkeit bei den Steuern auf Gartenprojekte und -unterhalt erst noch weisen. Diese sind heute schwer abzuschätzen.
