13.03.2026
Jede Krise bringt auch Chancen
Mehr Grün in die Städte bringen und somit die Lebensqualität erhöhen, dies ist eines der Ziele der Fachgruppe Baumschulen/Staudengärtnereien. Die Mitglieder trafen sich zur 112. Fachgruppenversammlung im Gasthof zum Schützen in Aarau. Interessante Tipps zur Personalgewinnung gab es dabei im Referat von Jörg Buckmann.
Die Gewinnung neuer Mitglieder ist im Verband eines der zentralen Ziele. In der Schweiz gibt es rund 4000 Gartenbaubetriebe. 1700 sind Mitglieder bei JardinSuisse. Das Potenzial ist deshalb sehr gross. «Wir müssen verstärkt unseren Beruf und unsere Arbeit bekannt machen. Pflanzen sind systemrelevant. Sie schützen das Klima, die Tierwelt und garantieren Lebensqualität!», sagte Patrick Daepp, seit einem Jahr Vorsitzender der Fachgruppe. Viel sei im vergangenen Jahr geschehen – Kriege, wirtschaftliche Bedrohungen durch Steuererhöhungen seitens der USA, Cyberangriffe aus Russland und vieles mehr.
«Die Schweiz ist zwischen den Fronten. Es braucht vor allem Anpassungen an die neue Situation. Jede Krise bringt auch Chancen, und diese muss man nutzen und ergreifen, auch für unsere Branche», betonte Patrick Daepp. Diese seien unter anderem beim Trend zu mehr Grün in Städten gegeben. «Wir müssen verstärkt unsere Kompetenz heraustragen und bekannter machen, vor allem bei den Behörden.»
Die Gewinnung neuer Mitglieder unterliegt den Regionalsektionen. Eine hohe Mitgliederzahl ist wichtig für den Berufsbildungsfonds. Der Verband will die Hürden für Eintritte verringern und bietet neu ein «Starter-Paket» mit einer Probezeit von zwei bis drei Jahren an.
«Die Geschäftsstelle in Aarau will die Sektionen verstärkt bei der Mitgliederfindung unterstützen. Vor allem bei Neugründungen benötigen die Firmen in den ersten Jahren Unterstützung. Diese Firmen wollen wir abholen», erklärte Geschäftsführer Marcel Sennhauser. «Letztendlich entscheiden aber die Sektionen, ob sie diese Firmen endgültig aufnehmen wollen. Es ist ein Dauerauftrag. Nur so können wir langfristig erfolgreich weiterarbeiten.»
Ersatzwahl im Vorstand
Veränderungen gibt es im Vorstand der Fachsektion. Hans-Ruedi Weber trat aufgrund der Amtszeitbegrenzung aus dem Vorstand zurück. Als Nachfolger stellte sich Roman Schwitter aus Inwil (LU) zur Wahl. Der Inhaber der Schwitter AG beschäftigt 84 Mitarbeitende und ist in der Lehrlingsausbildung sehr aktiv. Die Gärtnerei mit der grössten Pflanzenauswahl der Zentralschweiz zieht auf 39 Hektar Fläche die meisten Bäume und Pflanzen selbst.
Roman Schwitter war bereits von 2002 bis 2011 Vorstand der Fachgruppe Baumschule. Zudem ist er seit 2023 Mitglied des Verwaltungsrats JardinSuisse Zentralschweiz, Bildungszentrum Gärtner, Schadensexperte der Schweizer Hagelversicherung und auch politisch aktiv. Nun möchte er erneut seine fachlichen und privaten Erfahrungen einbringen, um die Fachrichtung zu stärken und Lösungen für aktuelle und zukünftige Aufgaben zu finden.
Neuigkeiten aus der Geschäftsstelle
Raphael Stirnimann informierte über Neues aus dem Zentralvorstand. Nach zwölfjährigem Mandat trat Pierre-Yves Zürcher zurück. Als Nachfolger kandidierte erfolgreich Marco Meier (Hodel & Partner AG, Malters), der seit 2024 in der Fondskommission und gleichzeitig Präsident des Berufsbildungsfonds Gärtner und Floristen ist. Der Fachvorstand Baumschulen stand hinter der Kandidatur. Der Vorschlag wurde von den Versammelten einstimmig angenommen.
Im kommenden Jahr werden Verbandspräsident Olivier Mark sowie Tobias Meyer den ZV verlassen. Neue Kandidaten werden gesucht. Für die Nachfolge von Olivier Mark wurde bereits eine Findungskommission gegründet.
Die Lohnsummen-Obergrenze liegt seit 2007 bei 1,5 Millionen Franken pro Jahr. Mit dem «Relaunch Paket» ist die Anhebung des Lohnsummenbeitrags bis neu maximal zwei Millionen Franken (0,3 Prozent) geplant. Die Obergrenze liegt bei 6000 Franken, bisher waren es 4500 Franken. Der Antrag wird an der Delegiertenversammlung vorliegen und von der Fachgruppe Baumschulen unterstützt. Die Abstimmung fiel hier knapp aus, wurde aber angenommen.
Gleich bleiben hingegen der Mitgliedsbeitrag von 300 Franken und das g’plus-Abo. Zudem informierte Rafael Stirnimann über JardinTop. Die Kosten für das digitale Sicherheitssystem für Mitglieder könnten nicht mehr mit Mitgliederbeträgen gedeckt werden. Deshalb sei eine Preiserhöhung nötig. Je nach Anzahl der Mitarbeiter sind abgestufte Preismodelle geplant. Bisher zahlten Mitglieder 150 Franken, Nichtmitglieder 300 Franken. In Zukunft werden Mitglieder 340 bis 700 Franken, Nichtmitglieder 640 bis 1400 Franken für diese zentrale Lösung zur Arbeitssicherheit zahlen müssen.
Das Geld wird knapp
«Wir Baumschulen brauchen wieder mehr Geld! Das Budget ist in den letzten Jahren immer knapper geworden. Dieses Jahr steht mit 5000 Franken für diverse Projekte sehr wenig frei zur Verfügung», so Patrick Daepp. Mit Concerplant sei die wichtigste Einnahmequelle leider verloren gegangen. Nun sei es der Artikelstamm, für den im kommenden Jahr die Preise erhöht werden.
Die Fachgruppe Baumschulen hat zudem eine neue strategische Ausrichtung. Der Zusammenhalt und eine gute Vernetzung innerhalb und ausserhalb von JardinSuisse sind wichtig. Unter anderem soll die Schweizer Produktion besser vermarktet werden und gemeinsam mit Ämtern müssen Massnahmen gegen Schadorganismen ausgearbeitet werden. Ebenso stehen die Nachwuchsgewinnung, die zunehmende Digitalisierung oder der Kampf gegen Sortimentseinschränkungen bei Bepflanzungsvorgaben im Blickpunkt. Veränderungen gibt es bei der Aufgabenverteilung und Organisation im Vorstand. Der Ausschuss Stauden wurde mit den Gehölzen zusammengelegt. So kann Personal eingespart werden.
Ein wichtiges Thema ist und bleibt der Japankäfer. Im letzten Jahr wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft der Notfallplan publiziert. Einige Massnahmen sind in der Praxis nicht umsetzbar. Dafür konnten Anpassungen erwirkt werden. Infolge des Inkrafttretens der revidierten Freisetzungsverordnung gab es 2025 erste Verkaufskontrollen, wobei einige Kontrolleure ihre Kompetenzen überschritten und Mitgliedern gesetzeswidrige Massnahmen vorschrieben. Dies wurde umgehend dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) gemeldet, welches sich in der Folge für eine korrekte Umsetzung einsetzte.
Mehr Mitsprache gefordert
Der Notfallplan Nr. 7 zum Japankäfer umfasst spezifische Massnahmen zur Bekämpfung und Überwachung des Schädlings, um dessen Ausbreitung zu verhindern und landwirtschaftliche Kulturen zu schützen. Im Kontakt mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BWL) konnte JardinSuisse erreichen, dass Unkrautfreiheit in Topf und Freiland ausreicht und keine Abdeckungspflicht für Töpfe mehr gilt. Zudem wurden Bambus und Wasser-Gräser (sofern sie im Wasser stehen) von der Netzpflicht befreit. Neu fordert JardinSuisse, dass keine Betriebssperrungen erfolgen und keine Lockstofffallen um produzierende Gartenbaubetriebe, im Umkreis von zwei Kilometern, aufgestellt werden dürfen. «Wir fordern zudem, dass in Zukunft unsere Kompetenzen in Form eines frühzeitigen Dialoges bei der Erarbeitung von neuen Massnahmen berücksichtigt werden. Wir haben die Praxis-Erfahrung, nicht das Bundesamt», betonte Patrick Daepp.
Dazu gehöre auch die stärkere Nutzung der chemischen Pflanzenschutzmittel Acetamiprid (Käfer) und Chlorantraniliprole (Larven). Für neue Massnahmen benötige es auch ausreichend zeitlichen Vorlauf von mindestens sechs Monaten. «Wir haben eine Kommunikationsstrategie zum Thema Japankäfer erarbeitet. Man soll keinen Alarmismus betreiben, sondern pragmatisch mit dem Thema umgehen und keine Panik machen», so der Vorsitzende der Fachgruppe. «Wir sind nicht das Problem, deshalb wollen wir auch nicht als Problem behandelt werden! Sobald es Probleme gibt, werden wir uns darum kümmern und geeignete Kommunikationsmassnahmen ergreifen.»
Das Merkblatt zum Japankäfer kann auf der Website des BWL heruntergeladen werden, um die interessierte Kundschaft zu informieren. Zu eventuellen Entschädigungen konnte keine genaue Auskunft gegeben werden. Es gibt keine Garantie, wie und wie hoch betroffene Betriebe entschädigt werden. Kommt es zum Befall, sollen Kosten und Probleme aufgelistet und an das BLW eingereicht werden. Eine Entschädigung sei sehr wahrscheinlich.
Der Antrag der Fachgruppe Baumschule wurde vom Zentralvorstand bewilligt, sodass die Fachgruppe nun den Lead Raumplanung übernimmt und die Strategie für die Raumplanung von JardinSuisse erarbeitet. Natürlich ist die Koordination mit den anderen Fachgruppen ist sicherzustellen. Bestehen Probleme bezüglich der Raumplanung, sollen sich die Betriebe an die Geschäftsstelle wenden.
Mehr Freiheit bei Pflanzenverwendung
Pflanzenlisten von Baubehörden und weiteren Organisationen schränken inzwischen die Verwendung vieler Pflanzen ein. Die biologische Vielfalt ist eine Lebensgrundlage der Schweiz. In Zusammenarbeit mit dem Bund Schweizer Landschafts-Architekten (BSLA), der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter (VSSG), der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Ostschweizer Fachhochschule (OST) wird eine neue Biodiversitäts-Pflanzenliste von der Fachgruppe Baumschulen erarbeitet. Die Liste liegt im Entwurf vor und soll nun den Partner-Verbänden zur Stellungnahme vorgelegt werden.
«Die biogeografische Herkunft darf nicht das einzige Kriterium sein! Die Natur ist dynamisch und passt ihre Akteure in Flora und Fauna an», sagte Pflanzenexperte Urs Lüscher. Die Listen sind unterteilt in Klimazonen: Alpenraum, Mittelland sowie mikroklimatisch begünstigte Zonen. Wichtig sei, auf diesem Gebiet schnell aktiv zu werden. «Unser Ziel ist: Wir besetzen dieses Feld, bevor es andere tun!», hielt Urs Lüscher fest.
Zur Informationspflicht für invasive Neophyten sei anzumerken, dass ein gutes Dutzend Pflanzen in der Schweiz inzwischen wirklich Probleme bereite. Doch diese Liste sollte nicht immer mehr vergrössert werden. «Der Gutwille der Bevölkerung schwindet, wenn die Liste immer mehr erweitert wird. Es wäre besser, die Kräfte zu bündeln, um die Ausbreitung der wirklich gefährlichen Pflanzen zu verhindern!», sagte Urs Lüscher.
Die Zuständigkeit im Vollzug unterliegen dem Bafu, die Kantone kontrollieren die Betriebe. Dafür werden teilweise externe Büros beauftragt, die nicht immer konform handeln. Es sei nicht gerechtfertigt, die Vernichtung der Bestände zu fordern, weil Pflanzen nicht vorschriftsgemäss beschriftet wurden. Ein nachträglich gelieferter Nachweis, dass dies später vorgenommen wurde, sei genügend. Werden Risikobeurteilung und Informationspflicht mit entsprechenden Etiketten an den Pflanzen eingehalten, kann unter Berücksichtigung der Auflagen weiter produziert und verkauft werden. «Kontrollen müssen korrekt und fair ablaufen. Sollte das nicht so sein, muss dies unverzüglich dem Verband JardinSuisse gemeldet werden, der das Bafu informiert.»
Wie gewinnt man neue Mitarbeiter?
Ein spannender wie auch unterhaltsamer Diskurs folgte nach der offiziellen Traktandenliste. Jörg Buckmann, ehemaliger Personalchef der Zürcher Verkehrsbetriebe und inzwischen Berater von Firmen und Behörden, die auf Personal- und Nachwuchssuche sind, zeigte unter dem Motto «Stauden statt Studium – Gedanken zum Personalmarketing» praxisnah, wie Personalgewinnung in der Branche erfolgreich gestaltet werden kann. Um es ganz anschaulich zu machen, wurden aktuelle Internetauftritte von Schweizer Baumschulen hinzugezogen.
«Der Schweizer Job-Radar zeigt eindeutig, die Berufslehre erlebt ein Revival. Unter den Top 10 der gesuchten Berufe befindet sich keiner, der ein Studium verlangt», sagt der Zürcher Personalmarketingexperte. Über Jugendliche besteht der Mythos, sie seien weniger glücklich, litten stärker unter Stress, Erschöpfung und Selbstzweifeln, hätten Versagensangst und Angst vor der Zukunft. Die sozialen Medien haben sicher Einfluss auf dieses Selbstwertgefühl. Und oft hat Geld einen grösseren Einfluss als Sinnhaftigkeit.
«Und doch gibt es gute News: Die Jungen haben Lust zu arbeiten und ein grosser Teil kann sich vorstellen, später eine Führungsrolle zu übernehmen. Wichtig sind für sie menschliche emotionale Erlebnisse, die im Arbeitsumfeld entscheidend sind», so Jörg Buckmann. Statistiken zeigten, dass die Fluktuation der Jungen in den letzten zehn Jahren nicht grösser geworden sei. «Sie sind motiviert!», wusste Buckmann.
Doch wie kommt man an die Jugendlichen ran, wenn man neue Mitarbeiter gewinnen möchte? Wenn man sich bewirbt, ist das etwas sehr Persönliches. Je grösser die Firma, desto schwieriger wird es oft, in «Kontakt zu treten», meinte der Experte. Man müsse sich deshalb sichtbar machen. Dies sei über verschiedene Kanäle möglich, wobei der Erfolg von Social Media wie Facebook, Instagram oder TikTok oft überbewertet werde. Es sei Einstellungssache, aber bei der Personalgewinnung brauche es «Frechmut und Können», heisst frische Ideen für Personalmarketing und Employer Branding, die allgemein auffallen.
Je seltener eine Qualifikation am Arbeitsmarkt verfügbar ist, desto wichtiger wird es, sich als attraktiver und guter Arbeitgeber zu präsentieren. Das bedeutet Momente schaffen und sich zeigen: als Arbeitgeber und als Ausbildungsbetrieb. Auf der eigenen Website sei Personalwerbung mit Ausbildung ohne grosse Floskeln mit vielen Bildern am ansprechendsten. Ins Auge springende «Störer» bereits auf der Startseite können auf die Personalsuche und den Lehrbetrieb hinweisen. Auch grossflächige Videos ziehen das Interesse an.
An einigen Beispielen erläuterte Buckmann gute und weniger gelungene Websites. Wichtig sei, persönlich die potenziellen Bewerber anzusprechen und so die Hemmschwelle niedrig zu halten. «Die Schweizer ticken so, sie lieben dieses Persönliche. Deshalb ist es wichtig, Inhaber, Geschichte oder traditionelle Produkte des Betriebs vorzustellen. Für Stellenausschreibungen kann man einen Spontanbesuch, Telefon- oder Mail-Kontakt anbieten», empfahl Jörg Buckmann.
Die Kontaktperson sollte mit Bild und möglichst mit einer kurzen Beschreibung der Position bekannt gemacht werden. Ist dann noch zu lesen: «Ich freue mich auf Ihren Anruf!», wird es persönlich und spricht Bewerber an. Für Bewerbungsunterlagen brauche es kein Foto mehr. Auch das Motivationsschreiben stelle eine Bewerbungshürde dar. Schnuppern für Berufsbewerber sei hingegen ein gutes Angebot, um Einblick zu erhalten. Auch Lehrlinge als «Botschafter», in Mails eingebaute Hinweise oder Aufkleber auf Firmenwagen könnten bei der Personalsuche helfen.
Text und Fotos: Claudia Bertoldi
